Eindrücke vom Hamburger World Usability Day 2009
Es ist schön zu sehen, dass sich die Hamburger Veranstaltung zum World Usability Day auch im vierten Jahr zunehmender Beliebtheit erfreut und die zwei Hörsääle der HAW gut gefüllt waren (2006 war einer der Räume nur halbvoll).
Nachdem das Niveau der Vorträge in den letzten Jahren zum Teil unter zu viel Eigenwerbung gelitten hatte war Eigenwerbung in diesem Jahr explizit verboten und das ging soweit ich es beurteilen kann auch auf. Eine gute Idee waren auch die zusätzlichen Workshops zu Beginn der Veranstaltung.
Meine Eindrücke im Einzelnen:
Arno Bublitz’ Workshop zu Persuasive Design (-> Folien binde ich ein sobald Arno sie bei Slideshare einstellt) hat mir gut gefallen – nicht zuletzt auch wegen der angeregten Diskussion, die sich teilweise ergab.
Wie ich hörte war Arnos Vortrag zu „Light and Connected Lifestyle“ (offenbar ein neues globaleres Nachhaltigkeitsthema bei HFI) im Rahmen des ersten Vortagsblocks ebenfalls sehr gelungen und ich freue mich schon auf die Folien.
Ich konnte ihn wegen der Überschneidung mit Sebastian Deterdings Präsentation „Gaming It – Was UX-Designer von Game-Designern lernen können“ leider nicht sehen. Sebastians Präsentation war für mich aber auch das Highlight der Veranstaltung: Eine gut gemachte und stark vorgetragene Präsentation, in der Sebastian nicht nur anschaulich und differenziert zeigte, wobei und in wiefern man von Game-Designern lernen kann, sondern das ganze auch in seiner eigenen Präsentation anwandte.
Sehr empfehlenswert:
Daneben gab es im ersten Block noch einen spontan-Vortrag von Rolf Schulte-Strathaus zu unterschiedlichen Rollen eines UX-Consultants in einem konfusen Grossprojekt. Ich stimme Rolf zu, daß UX-Leute sicherlich aufgrund ihrer inhaltlichen Ausrichtung besser als viele der anderen Projektbeteiligten in der Lage sind auch in andere Rollen wie PM, CD oder Texter zu schlüpfen. Ob es im konkreten Projekt dazu kommt und wie gut es dann funktioniert hängt trotzdem auch ganz extrem von den individuellen Erfahrungen des UX-Consultants ab.
Am zweiten Block war ich selbst mit meinem Vortrag „my.interface“ beteiligt. Bei der anschliessenden Fragerunde war ich überrascht darüber, dass so viele allgemeine Fragen zu Personalisierung kamen, aber kaum Fragen zu den von mir vorgestellten Überlegungen zu individuellen Interfaces und zentralen Universalprofilen. Falls jemand das jetzt noch aufgreifen möchte: nur zu!
Unabhängig von meinem Vortrag lohnt es sich, mal Feedly.com anzugucken – eine wirklich schön gemachte und gedachte Feed-Aggregator Applikation.
In Rainer Gibberts gutem Vortrag zu Personas bei Xing fand ich neben der amüsanten Einleitung vor allem die Tatsache interessant, dass XING offenbar plattformweit mit ein und demselben Set von Personas arbeitet, obwohl die einzelnen Releases ja vielfach nur auf einzelne Nutzergruppen abzielen. Richtig ist aber natürlich auch Rainers Anmerkung, dass es im Sinne einer unternehmensweiten Etablierung der Personas von Vorteil ist, wenn es nicht zu viele Personas gibt. Ich denke für XING-Nutzer ist es interessant mal zu gucken, ob man sich selbst in den Personas wiederfindet. Falls nicht freut sich Rainer bestimmt über eine Rückmeldung. Ich persönlich sehe mich vor allem als „Thomas“ ;O)
Alles in allem sehe ich den WUD inhaltlich und auch hinsichtlich der Aufmerksamkeit für das Thema als Erfolg.
Etwas schade fand ich die Tatsache, dass mir trotz des starken übergeordneten Themas der Veranstaltung im konkreten Ablauf des Nachmittags etwas die Klammer (z.B. in Form einer abschliessenden Runde, Abmoderation o.ä.) fehlte, was glaube ich auch dazu führte, dass die Veranstaltung nach den Vorträgen etwas zu ungezwungen (orientierungslos?) ins Foyer diffundierte. Angesichts des personell zahlreich, kompetent und sympatisch besetzten Organisationsteams hätte ich eine grössere Präsenz der Organisatoren während der Veranstaltung gut und hilfreich gefunden – auch in der Betreuung der der Sponsoren und Präsentatoren.
Eindrücke vom Jochen Distelmeyer Konzert
Das gestrige Jochen Distelmeyer Konzert -eines seiner ersten Solokonzerte- war für mich wie wohl für die meisten allein schon deshalb spannend, weil das Konzert vor Veröffentlichung des Albums ‘Heavy’ stattfand, ich also außer einem Stück auf der Website nicht wusste, was mich erwartet.
Das Konzert war dann eine Mischung aus neuen Solostücken gemischt mit Reinterpretationen von Blumfeld-Stücken aller Phasen bis zurück zu „Viel zu früh und immer wieder; Liebeslieder“ von ‘Ich Maschine’, gespielt als Quintet mit bis zu drei Gitarren.
Die meisten neuen Stücke sind kompakte Rockstücke mit hohem Noise-Anteil (musste u.a. an die Melvins denken) und sehr prägnanten Hooklines, erstaunlicherweise konnte ich die Texte trotzdem wesentlich schlechter verstehen als bei den wesentlich „volleren“ alten Stücken – aber vielleicht ist das auch eine Wahrnehmungstäuschung und ich verstand die alten Texte einfach deshalb weil ich sie schon kannte.
Beim ersten Hören gefielen mir nur einige der neuen Stücke richtig gut, andere wirkten auf mich auch aufgrund der Art des Vortrags fast schon abweisend und ich bin gespannt wie sie auf Platte klingen. Insgesamt wurde das Konzert mit zunehmender Lockerheit der Band gegen Ende deutlich besser und es mag auch an dieser anfänglichen Steifheit/Angespanntheit gelegen haben, dass die vor allem am Anfang gespielten neuen Stücke irgendwie abgeschottet wirkten. - ertappe mich während ich das schreibe gerade dabei, daß ich hier möglicherweise auch dem in vielen Blumfeld-Rezensionen zu beobachtenden Überhöhungs-Effekt aufsitze und die Gründe für mein Mißfallen primär bei mir suche, statt auch die Möglichkeit zuzulassen, daß einige Stücke vielleicht einfach nicht mein Ding sind und ich auf harmonisch vielschichtiger angelegte Stücke gehofft hatte.
Nach dem Konzert fiel mir auf, daß ich eigentlich nur in der Anfangsphase von Blumfeld einen wirklich persönlichen Bezug zu den Texten hatte (u.a. „sind zwei zuviel um frei zu sein; oder brauch ich dich um ich zu sein?“ von Ich-Maschine – eine Frage, die mich damals stark umtrieb und die ich jetzt schon lange für mich mit „letzterem“ beantwortet habe). Danach mochte ich die Texte zwar aufgrund ihrer sprachlichen Fertigkeit, hörte Blumfeld wenn ich es mir recht überlege aber vor allem der Musik wegen so gerne. Thematisch hatten die Stücke dagegen nicht viel mit mir zu tun. Das scheint sich jetzt teilweise wieder zu ändern: Jochen Distelmeyer ist offenbar auch seit ein paar Jahren Vater ist und es gibt u.a. in dem Stück „Murmel“ väterliche Perspektiven, zu denen ich einen stärkeren persönlichen Bezug habe und die mich auch textlich berühren.
Interessanterweise lief vor und nach dem Konzert Tortoise ( ich glaube ‘Millions now living will never die’) – und damit die prägendste Band des anderen Genres, das meine musikalische Entwicklung in den 90ern beeinflußt hat.
Sind wir wirklich Business Punks?
Gruner + Jahr launcht im Oktober ein neues Heft für die „Generation Xing“, die erfolgreich im Berufsleben sein will, aber auch irgendwie den Hedonismus nicht ganz zu kurz kommen lassen möchte.
Bemerkenswert finde ich die Ableitung „Punk = Spass/Hedonismus“ – oder bin ich da jetzt ähnlich verklärt romantisch wie die Typen, die heute noch mit knallroten Iros und Sicherheitsnadel in der Nase rumlaufen?
Ansonsten bin ich als potenzieller Teil der stereotypischen Zielgruppe (wie auch schon bei dem letzten G+J Launch „Nido“ für die urbane junge familie) skeptisch gespannt, was da auf uns zukommt…
Die Themenbeispiele „Never mind the crisis – wie erfolgreiche Business Punks Geschäfte machen“, „Die Karriere ist wie ein Fußballspiel. Manchmal sind taktische Fouls unerlässlich“ und „Mythos der sexy Sekretärin“ wirken auf mich erstmal ähnlich reisserisch wie ein Men’s Health Cover und haben mit dem journalistischen Anspruch, den ich bei G+J vermute erwarte erstmal nicht SO viel zu tun.
Bei diesen neuen „spitzen“ Heftformaten beschleicht mich immer das Gefühl, dass die G+J Redakteure vor allem Hefte für sich selbst schreiben wollen, es sich aber noch nicht so recht eingestehen…
Icy Demons @ Astra Stube
Das Konzert der Chicagoer Icy Demons in der Astra Stube war noch besser als meine ohnehin schon hohen Erwartungen. Seit die Band im Winter angekündigt hatte, im Mai auf Europa-Tour zu gehen hatte ich zunächst auf einen Auftritt in HH gehofft und mich dann umso mehr gefreut, daß sie in dem direktesten Club der Stadt spielen. Icy Demons touren als Quartett (in den USA sind teilweise mehr Leut auf der Bühne) und spielten ein sehr druckvolles und spielfreudiges Set mit einigen neuen Stücken.
Insgesamt scheinen Icy Demons sich stärker in Richtung Tanzmusik zu orientieren, wie sie sie z.B. bei „Crittin’ down at Baba’s“ auf dem letzten Album schon getan hatten. Bei einem Stück gab’s erstmalig Sprechgesang (auch zu hören im Video unten). Ich freue mich schon auf die neue Platte, wann und wo die auch immer erscheint.
Interessant fand ich wie unterschiedlich das insgesamt super euphorische Publikum auf unterschiedliche Facetten in der Musik reagierte. Eine Frau neben mir war z.B. bei den eher jazz/beat-lastigen Parts dabei, stand aber auf ein eher in College-Rock-Manier durchgeprügelten Stück total unbeweglich dar, obwohl ihr der Schweiss des Schlagzeugers um die Ohren flog.
Einen guten Eindruck eines Icy Demons-Konzertes gibt dieses Video aus der Knitting Factory.
Gedanken zum #vfdreh
Scholz & Friends haben heute einen Werbespot für ihren relativ neuen Kunden Vodafone gedreht.
Soweit erstmal nichts besonderes. Auffällig ist aber, daß der gesamte Dreh von auffallend reger Twitter-Berichterstattung begleitet wurde, durch die #vfdreh zu den Top 3-Twitter-Topics des heutigen Tages wurde. Das hat unter anderem sicher damit zu tun, daß bei dem Clip viele aktive/prominente deutsche Blogger/Twitterer wie Sascha Lobo mitmachen.
Bei mir hinterläßt das ganze eine Reihe von Fragen:
- wieviel Kalkül steckt hinter der der heutigen Twitter-Präsenz des Themas?
- war eifriges Twittern Teil des Deals mit den Teilnehmern? Gab es überhaupt einen Deal oder haben die (wie der Qype-Eintrag vermuten läßt) tatsächlich alle für Verpflegung und die Gelegenheit eines professionellen Stylings mitgemacht?
- nützt der heutige „buzz“ Vodafone wirklich?
- Oder muß man das ganze in erster Linie als weiteres Experiment verbuchen, mit dem sich S&F als Social Media-affine Agentur positionieren will, indem S&F-Mann @nico seine privaten Kontakte mobilisiert?
- Aber ist es dann andererseits nicht aus Ausdrucks des bisherigen Nischencharakters von Twitter, wenn ein Thema mit nichtmal 80 Beiträgen zu den wichtigsten des Tages wird?
- Ist das also alles außerhalb eines relativ kleinen Kreises auch relativ egal? ;O)
Microsyntax
Stowe Boyd hat Microsyntax.org initiiert, um die Entwicklung neuer Auszeichnungselemente für Twitter voranzutreiben und zu systematisieren. Berater der Organisation ist u.a. Chris Messina, der Erfinder des Hashtags (#) als eine, der etabliertesten Microsyntax-Elemente neben @ und RT. Boyd selbst schlug vor kurzem vor, Ortsangaben mit / zu starten oder sogar in /einzufassen/ .
Ich finde das eine interessante Entwicklung, denn die Geschwindigkeit, in der sich die obigen Auszeichnungen verbreitet haben (obwohl sie z.T. nicht mal von Twitter selbst, sondern nur von komplementären Services und Clients unterstützt werden), zeigt die dass es klar Bedarf gibt, mit Hilfe von Microsyntax Kontext und Bezüge beim Twittern herzustellen. Und dies obwohl dadurch nochmal etliche der ohnehin knappen 140 Zeichen für Auszeichnung draufgehen und noch weniger Text zum Schreiben bleibt. Immerhin gibt es tinyurl und co zum verkürzen der URLs…
Man muß in sofern davon ausgehen, daß sich weitere Auszeichnungsprinzipien entwickeln werden und Organisationen wie Microsyntax.org können dabei einerseits systematisierend als auch aufklärend helfen.
Trotz allem frage ich mich, ob eine Vermehrung von Microsyntax nicht auch z.T. eine Krücke zu Lösungen ist, die wesentlich sinnvoller (z.B. durch eine Trennung von Inhalt und Auszeichnung) als Weiterentwicklung von Twitter selbst kommen können. Ich verstehe zu wenig von Programmierung, um die Machbarkeit dessen beurteilen zu können. Aber längerfristig scheint mir die mit Microsyntax verbundene Spezialsprache unschön und ausgrenzend zu sein (vgl. auch The Next Webs Post dazu) – mir fiel das kürzlich auf, als ich von einem generell SEHR online-affinen Kollegen aus einer anderen Agentur nur Fragezeichen erntete, als ich Gebrauch von den üblichen Auszeichnungen wie RT und # machte.
IA Konferenz 2009 Rückblick
Mit einer Woche Abstand mein persönliches Resümee der deutschsprachigen Information Architecture (IA) Konferenz am 16./17. Mai in Hamburg.


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