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IA Konferenz 2009 Rückblick

Posted in Fachliches by arnekittler on Mai 25, 2009

Mit einer Woche Abstand mein persönliches Resümee der deutschsprachigen Information Architecture (IA) Konferenz am 16./17. Mai in Hamburg.

Veranstaltungsort war das relativ neue Empire Riverside Hotel auf dem ehemaligen Astra-Gelände – eines der interessanteren hamburger Bauprojekte der letzten Jahre, wenn man es schlicht und gradlinig mag. Architekt war David Chipperfield, der u.a. für die Tate New Modern in London und das das Neue Museum in Berlin bekannt ist. Als Konferenzaustragungsort bot das Hotel einen schönen Hauptkonferenzraum und beeindruckend große Toiletten, das Treppenhaus (in denen die Pausen stattfanden), der zweite Konferenzraum und vor allem auch das Catering waren allerdings nur solide – da hatte ich mehr erwartet. Soviel zur Architektur.

Inhaltlich wurde die Konferenz dem Motto „IA in Business und Praxis“ sehr gut gerecht: Sehr viele Beiträge hatten einen starken Praxisbezug, gaben Einblicke in reale Business-Zusammenhänge und waren dabei angenehmerweise fast komplett „werbefrei“ – leider ja bei einer Konferenz auf der die Redner Eintritt zahlen müssen keine Selbstverständlichkeit.

Alles in allem empfand ich die Konferenz als sehr gelungen und lohnenswert!

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Jenseits einzelner Vorträge blieben bei mir folgende „Meta-Themen“ hängen:
Die Rolle innerhalb von Projekten, organisatorische Einbindung und Wirkungsreichweite von Informationsarchitenten ist ein Thema, das in vielen Vorträgen ein Thema war und offenbar alles andere als geklärt ist (siehe auch Ulfs Post). Mein Eindruck ist allerdings, dass viele der anwesenden Kollegen, diese Ungeklärtheit nicht als Manko sehen, sondern eher als Chance, Beiträge zu leisten, die über den Rahmen der klassischen Informationsarchitektur hinausgehen. Mein eigener Vortrag zielte ja auch in diese Richtung und ich bin nach der Konferenz umso überzeugter davon, daß viel sinn- und wertstiftendes Potenzial von Informationsarchitekten ausgehen kann. Oder, wie es Wolf Nöding in seiner Einleitung zur Konferenz sagte, „Informationsarchitekten sind die Business Analysts 2.0“ (oder so ähnlich).

Hi-Fi vs. Lo-Fi Wireframes. Die von Interone vorgestellten High-Ende Axure-Wireframes für O2 und die bewusst skribbelig gehaltenen Templates des Konferenzsponsors Rapidrabb.it (und die von Peter Boersma im Rahmen seines Quizzes ausgegebenen „This is not a Layout“-Stempel) beschreiben ein Spannungsfeld, zu dem jeder Informationsarchitekt eine klare Haltung haben sollte: Wie „real“ bzw. poliert/layoutartig sollten Wireframes sein? Ich persönlich halte dabei einen bewußt roughen Angang aus mehreren Gründen für die richigere Wahl:

– Es erscheint mir hinsichtlich der Aufwände pragmatischer/sinnvoller
– Es gibt weniger Mißverständnisse mit Kunden, die Wireframes für Layout halten (bzw. gibt es sie sogar bei roughen Wireframes, aber sie lassen sich leichter klären – ausschliessen lassen sie sich vermutlich nur mit live angefertigten Handskizzen, wie von Fergus Roche im Rahmen der UPA Europe 2008 propagiert)
– Man überläßt die eigentliche Gestaltung denen, die etwas davon verstehen und verführt die Designer nicht zu dumpfer schönmalerei.

Möglichkeiten und Grenzen von IA in Intranets: Intranets sind ein Thema mit dem ich mich im Job relativ wenig beschäftige, ich habe den Vorträgen von Stefan Pieren und Jens Scholz aber einige interessante Einblicke in dieses Feld entnommen u.a. auch was die Herausforderungen angeht, SEHR viele Stakeholder bei derartigen Projekten sinnvoll einzubeziehen.

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Highlights der Konferenz waren aus meiner Sicht folgende Vorträge:

Peter Boersma: UX Deliverables in Practice

150 Slides in 30 Minuten. Sympatisch und extrem unterhaltsam vorgetragen mit vielen treffenden Aussagen wie z.B. der, daß das wichtige am Pitch eine gute Wahl der Hintergrund-Bilder in PPT ist. Bei Fork haben wir sehr gute Erfahrungen mit unterschiedlichen Wurst-Motiven gemacht…

Rolf Schulte-Strathaus: Keine Ausreden mehr…

Ich hatte einen Vorgänger dieser Präsentation schon beim Hamburger World Usability Day 2008 gesehen, diesmal hat Rolf aber nochmal ein paar Schippen draufgelegt und mich aber endgültig von ihrem Verfahren überzeugt, Usability-Tests kompakt und unter aktiver Einbeziehung aller relevanten Projektbeteiligten an einem Tag durchzuziehen. Ich freue mich schon, dieses Vorgehen mit eparo in einem meiner aktuellen Projekte einzusetzen.

Sebastian Deterding: Persuasives Web-Design

Sehr eloquent vorgetragen konnte Sebastian Deterding vielen ein moralisch nicht ganz unkritisches Thema nahezubringen: Webdesign, daß explizit darauf angelegt ist, eine aktive Beeinflussung von Nutzern im Rahmen von Prozessen herbeizuführen. Das gezeigte Beispiel des Amazon-Checkout-Screens ohne Back-Button sehe ich schon eher auf der bedenklichen Seite (trotz Browser Backbutton), aber Sebastians Vortrag hat mir auf jeden Fall Lust gemacht, mehr über das Thema wissen zu wollen.

Stefan Pieren: Klassisches Intranet oder Enterprise-Wiki?

Wie oben bereits erwähnt sind Intranets nicht gerade mein typisches Thema – durch seinen sympatischen und sehr gut strukturierten Vortrag konnte er mir das Thema aber wesentlich näher bringen.

Ein weiteres Highlight aus meiner Sicht (bisher ohne öffentlich zugängliche Präsentation) war die Vorstellung einer prototypischen MS Surface Anwendung von Neue Digitale für VW. Natürlich kannte ich vorher schon die beeindruckenden Videos, die in den letzten 1-2 Jahren über Surface online zu sehen waren, aber das Teil dann mal selber zu bedienen war wirklich eindrucksvoll und hat mich darin bestätigt, dass Multitouch eines der spannendsten Themen für die nächsten Jahre bleiben wird. Wolfgang Tittmanns Beispiele zeigten auch, daß für eine wirklich sinnvolle Nutzung der Möglichkeiten von Surface ein komplettes Neudenken der Interaktionen erforderlich ist. Eine spannende Herausforderung, in deren Genuß hoffentlich nicht nur Agenturen mit direkter Microsoft-Connection (ND ist über 2 Ecken eine Tochter von Microsoft) kommen.

Eher enttäuschend fand ich die Präsentation von Leo Burnett zum Thema „Globale IA für globale Marken„, nicht nur wegen der vollgepfropften Slides. Auch wenn offenbar ein ganzer Strauß an Methoden zum Einsatz kam, um diverse GM Marken untereinander und auch global unter ein informationsarchitektonisches Dach zu stellen machten die Ergebnisse auf mich eher den Eindruck von viel Wind für Ergebnisse, denen man (zumindest wenn man die gezeigten Screenshots als Orientierung nimmt) die Bemühungen kaum anmerkt. Mag sein, daß das Ergebnis einen deutlichen Fortschritt für das Projekt darstellte, aber es schien so, als würden politische Rangeleien sowohl innerhalb von GM als auch innerhalb der unterschiedlichen beteiligten Leo Burnett Büros einem klareren Ergebnis im Wege gestanden haben.

Weitere Vorträge der Konferenz auf Slideshare

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