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next10: Fazit und Eindrücke vom Tag 2

Posted in Fachliches by arnekittler on Mai 12, 2010

Ich lasse im Zug nach HH die next10 Revue passieren. Insgesamt hat sich die Veranstaltung aufgrund guter Gespräche drumherum und einiger guter Beiträge (mehr dazu unten) aus meiner Sicht gelohnt. Ich stimme aber Thomas Knüwer und anderen kritischen Stimmen zu, daß die next gegenüber den Vorjahren diesmal stark nachgelassen hat und für’s nächste Jahr ein besseres Konzept braucht, um relevant zu sein.

Statt eines Kalenders mit sehr vielen kurzen Einzelbeiträgen hätte es gut getan, wenn es weniger aber dafür ausführliche Beiträge gegeben hätte – bei dem diesjährigen Kurzvortragsformat war der Vortrag sehr häufig genau dann vorbei, als es eigentlich gerade interessant wurde. Ich verstehe, dass viele der Sprecher eine gewisse Zeit brauchen, um in ihre Thematik oder ihr Projekt einzuführen, aber gerade für Zuhörer, die den Brachendiskurs regelmässig verfolgen bieten die Einführungen einfach zu wenig neues – und ich bin sicher, dass viele der Redner mehr und damit auch neues zu sagen gehabt hätten, wenn nur ausreichend Zeit dafür gewesen wäre.

Was die Auswahl der Vorträge angeht hätte eine genauere Auswahl und Vorbereitung guter Redner auch gut getan. Zu viele Redner waren in diesem Jahr entweder lieblos vorbereitet oder haben sich für meinen Geschmack zu viel Eigenwerbung zu Lasten inhaltlicher Ausnahmen genehmigt. Wenn man weiß, daß von Sinnerschrader auch Präsentationsslots als Teil von Sponsoring-Paketen angeboten und vermutlich auch vergeben wurden kann man den Präsentatoren vielleicht nicht mal einen Vorwurf machen. Von den Veranstaltern finde ich es aber nicht OK für eine relativ teure Veranstaltung in Kauf zu nehmen, dass dadurch das Niveau der Vorträge leidet. Zumindest könnte man Sponsorenvorträge entsprechend kennzeichnen.
Was die Durchführung der Veranstaltung angeht habe ich in den letzten beiden Tagen gemerkt, WIE gut im Vergleich dazu die tedX-Konferenz in Berlin organisiert war. Fälle bei denen Präsentatoren komplett ohne ihre Slides auskommen mussten finde ich inakzeptabel und eine Frechheit gegenüber den Rednern und den Zuhörern. Insgesamt werde ich mir gut überlegen, ob ich im nächsten Jahr auf die next fahre.

Glücklicherweise gab es am zweiten Tag aber auch einige gute Vorträge. Mein Favorit war wie schon im letzten Jahr Andrew Keen, der im Handumdrehen die etwas ziellosen Vorträge seiner drei Vorredner Stefana Broadbent, Stowe Boyd und Jemima Gibbons in einen interessanten gemeinsamen Kontext stellte. Er sieht dabei die Größte Herausforderung des sich verändernden Medienverhaltens darin, daß Individuen ein einem Widerspruch zwischen zwei Extremen stehen: Einerseits gibt es ein ausgeprägtes Bedürfnis nach einer Art Rückzug auf einen intimen kleinen Kreis (Broadbent), andererseits gibt es (zumindest wenn man in der Kommunikations- und Unterhaltungsbranche arbeitet) einen zunehmenden Druck, sich selbst als Individuum durch aktive Selbstinszenierung in Twitter, Facebook und Co zu positionieren (Gibbons).

Der Vortrag von mp3-Erfinder Karl-Heinz Brandenburg war aufgrund Brandenburgs bewußtem Understatement und kleinen Seitenhieben auf die Plattenindustrie sehr sympatisch, bot aber wenig überraschendes. Brandenburg wies deutlich darauf hin, daß Entwicklungen, die das Label „Game-Changing“ verdienen nicht über Nacht und nur mit viel Beharrlichkeit erreicht werden können, weil naturgemäß am Anfang nur wenige an die Vision glauben. Zum Erfolg brauche es eine Kombination aus Vision, Überstunden, Sturheit und Glück.

Aus einer Serie von Mobile ausgerichteten Vorträgen gefielen mir Jessica Kahn (Tapulous), Michael Schneider (Mobile Roadie), der Ersatzredner von Golden Gekko und Joe Pezillo (Push.IO). Alle genannten vertreten dabei die These, daß auch in Zukunft (native) Apps große Relevanz haben werden, der Trend also nicht zu Mobile Web Apps gehen wird. Ich bin da ja eher skeptisch. Interessant an Pezillos Vortrag fand ich den Aspekt, Apps nicht nur bis zum Download zu promoten, sondern über mehrwertige Push-Notifications auch dafür zu sorgen, dass die App nicht in den seitenlangen Listen anderer Apps untergeht. Eigentlich eine triviale Überlegung und bei jemanden, dessen Firma das Thema Push schon im Namen trägt keine totale Überraschung – aber ich glaube dieser Aspekt wird häufig trotzdem vernachlässigt.

Link: Spontane Eindrücke vom ersten Tag

2 Antworten

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  1. christophe said, on Mai 12, 2010 at 8:35 pm

    ich fands ja letztes jahr schon eher schwach dort …

    die haben sprecher ohne ihre slides losgeschickt..?? wow🙂

    > Zumindest könntet man Sponsorenvorträge entsprechend kennzeichnen.

    würde vermutkich die nachfrage drastisch reduzieren. bei dieser masse freut man sich doch uber jeden filter.

  2. christian mueller said, on Mai 12, 2010 at 8:38 pm

    Hi Arne,
    vielen Dank für die Zusammenfassungen Tag 1 und Tag 2 + Fazit.
    Erste Überhitzungstendenzen konnte ich letztes Jahr schon auf der next09 feststellen, wir waren von Sun Microsystems als Sponsor dabei. Wie z.B. in den letzten paar Tagen auf einmal hunderte von Anmeldungen mit den vorgeblich ganz teuren tix eintrudelten…

    Die next muß sich wohl entschlacken und entzerren, weniger Redner, weniger Vorträge, weniger Sponsoren mit „Package-Presos“ – dafür längere, intensivere Vorträge und auch die Interaktion mit dem PUblikum kam wohl sehr kurz.

    Auf ein neues bei der next11
    Christian Mueller
    aka DigitalSummit


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