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TEDx Berlin 2010 Eindrücke

Posted in Fachliches by arnekittler on November 17, 2010

Die Zugriffszahlen für meinen letztjährigen TEDxBerlin Bericht gehen plötzlich nach oben, denn diese Woche fand zum zweiten Mal die TEDxBerlin statt. Erfreulicherweise konnte ich auch diesmal wieder dabei sein. Und so habe ich es wahrgenommen:

Gegenüber dem letzten Jahr war die Veranstaltung diesmal etwas größer angelegt, aber immer noch von einer ausgesprochen kommunikativen Atmosphäre geprägt. Radialsystems V ist ein sehr schöner Veranstaltungsort, für Hamburger vielleicht am ehesten als „Kampnagel in klein“ vorstellbar. Bis auf vereinzelte Probleme wieder eine überdurchschnittlich gut und trotzdem für das Publikum nicht angestrengt organisierte Veranstaltung. Ich hoffe ehrlich gesagt, dass Stephan Balzers Ankündigung, an einer TEDx Veranstaltung mit tausenden Teilnehmern zu arbeiten entweder ein Witz war, oder dass er wirklich gute Ideen hat, wie man bei wachsender Teilnehmerzahl die Atmosphäre schafft. Für mein Gefühl war die TEDx mit 450 Leuten diesmal schon eher an der Obergrenze.

Das Überthema „Fantastic Reality“ spielte in den Präsentationen kaum eine erkennbare Rolle, aber war wieder ein guter Mix aus sozialen Themen, technologischer Innovation, Kultur – und Kombinationen daraus.

Am besten gefielen mir folgende Präsentationen:
Achim Peters über The Selfish Brain und Irritationen in der „Supply Chain“ der Energieversorgung im Hirn als Grund für Fettleibigkeit in unserer heutigen Gesellschaft.
Fabian Hemmert mit einem weiteren gelungen Kurzvortrag in Sachen Mobiler Kommunikation. Diesmal noch SEHR prototypisch zur Frage, wie Mobiltelefone Emotionen über Druck, Feuchtigkeit und Nähe und Emotion vermitteln können.
Thomas Wallisser über Synergien von Natur und Technologie im futuristischen Städtebau. In Erinnerung geblieben ist mir dabei u.a. Projekt in der Nähe von Riad bei dem Mittels einer multifunktionalen Fläche Wüstentäler abgedeckelt, energie- und kommunikationsversorgt und der Raum im Tal bewohnbar gemacht werden sollen.
Peter J. Lovatt, der bereits von der next-Konferenz bekannte Dr. Dance mit einem gelungen Mix aus leichter Theorie und bewegter Praxis.
Sebastian Dittmann mit einer sehr persönlichen Heranführung an die wirklich schöne Musik-App Soundprism.

Bei Dittmann konnte man sehr gut erleben, wie jemand der wirklich in seinem Thema ruht aus technischen Problemen (der Audioausgang des iPads mit dem er seine Musiksoftware vorführen wollte kam nicht über die PA) sogar noch etwas im Sinne des Vortrags machen kann: Improvisation ist ein wichtiger Aspekt von Soundprism. Ich bin sicher, dass es ihm ohne technische Probleme lieber gewesen wäre, aber für mich und viele andere im Publikum hat sich das eigentlich ganz gut zusammengefügt.

Wie auch beim letzten Jahr ist bei TEDx Vorträgen zu Themen, die einem selbst nah sind die Gefahr von Enttäuschungen besonders gross.
Stefan Münchs Kurzvortrag zu „High Fidelity Branding“ legte zwar gut die Bedeutung von Fonts für Branding und in der Tonalität einer Botschaft dar, stellte dann aber für meinen Geschmack zu einseitig Webfonts als erste Lösung dieses Problems dar. Ich würde die Relevanz von Webfonts nie runterspielen, aber Agenturen, die es mit Branding im Online-Bereich ernst meinen, haben auch schon seit 10 Jahren adäquate Wege gefunden, Verdana und Co zu umgehen. Webfonts machen das lediglich einfacher und damit breiter (und auch für Fliesstext) zugänglich.
Über den Vortrag von Nick Sohnemann und Norbert Hilliger (TrendOne) habe ich mich wirklich gewundert: Aus anderem Kontext weiss ich, dass TrendOne durchaus ein Händchen für spannende und innovative Themen und deren zielgruppengerechte Präsentation haben. Für das technikaffine TEDx-Publikum war ihre Präsentation über die Media Evolution (…und sie haben tatsächlich Web5.0 in Aussicht gestellt!) einfach von viel zu viel altbekanntem und wenig sinnstiftendem Zusammenhang geprägt. Schade, für mich hätte diese Präsentation eher auf den Mittelstandskongress der Fleischereibranche gepasst – für die TEDx wäre bei Trend One sicher mehr drin gewesen.

Teil der TEDx Konferenzen ist (per Auflage?) auch immer das Präsentieren einiger „echter“ TED Talks als Videoaufzeichnungen. Wenn man die Videos noch nicht kennt (was diesmal bei mir der Fall war) hat das ganze durchaus eine ähnliche Wirkung wie die Präsenz-Vorträge – vielleicht wurde deshalb auch am Ende der Projektionen eifrig für den abwesenden Redner geklatscht. Die Präsentationen von Sugata Mitra und Ken Robinson sind auf jeden Fall empfehlenswert.

Alles in allem auf jeden Fall eine lohnende Veranstaltung – ich hoffe im Mai (26.?) wieder dabei zu sein.

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Eine Antwort

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  1. David Gilbert said, on November 28, 2010 at 9:20 pm

    Vielen Dank für Deine Eindrücke von der TEDx in Berlin!


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